Zwischenzeit im Zwischenreich | Bilder und Texte aus Wien | Peter Reichert

Zwischenzeit im Zwischenreich

Gerade noch war es so heiß, dass ich gar nichts machen mochte. Kaum wird es wieder kühler, mag ich das zwar nicht, aber bin wieder denk- und handlungsfähiger. Die älter werdenden Knochen haben es gern warm, aber die schönen warmen Tage sind ja so selten! Entweder ist es kühl oder heiß, dazwischen gibt es nur dazwischen … Das passt eigentlich gut zu meiner Lebenssituation: ich bin nicht mehr jung und auch noch nicht richtig alt, halt so dazwischen, wenn auch näher bei alt. Auch die Jahreszeit ist jetzt so dazwischen, noch nicht richtig Herbst, aber auch ganz bestimmt nicht mehr Sommer. 

Doch es gibt auch Feststehendes! Was mich besonders freut: Das Fotobuch „Wiener Mischung“ mit Zwischentexten (!) von Linde wird im August 2016 im renommierten Salzburger Verlag Anton Pustet erscheinen! Darum habe ich mir für die neue Diashow etwas Besonderes einfallen lassen: ich zeige hier die Fotos, die ich aus der engeren Auswahl ausgeschieden habe, die also im Buch nicht zu sehen sein werden.

Und zur Zwischenzeit füge ich noch ein Gedicht an, das ich in schlaflosen Nachtstunden gemacht habe, anstatt Schäfchen zu zählen. Und es hat gewirkt: ich konnte wieder einschlafen.

Angesichts der aktuellen Weltlage und Flüchtlingsproblematik ist das alles ja ziemlich nebensächlich. Und trotzdem gibt es Dinge abseits der Tagesaktualität. Eine Art Zwischendinge. So ist das hier also ein Gruß aus dem Zwischenreich, in dem ich mich aufhalte und manchmal trotz allem wohlfühle.


Zwischenzeit

Noch scheint die Zeit breit.
Nur der Mut wird kürzer
und die Angst schwerer.

Die Tage werden zaghaft
und die Nächte zäh.

Die käufliche Wärme
wird weggesperrt,
draußen erfriert Hoffnung,
drinnen erzittern die Wände
im Kerzenlicht.

Weihnachtsvorfreude
ist noch verfrüht,
auch wenn im Supermarkt schon
erste Zimtsterne
vertrocknen.

© Peter Reichert 2017